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10 Trainingseinheiten zu je anderthalb Stunden

Auch in diesem Jahr hieß es für viele Kampfsportler aus dem ganzen Bundesgebiet wieder, Taschen packen und ab nach Viernheim. Die Abteilung Taekwondo des Stemm- und Ringclubs Viernheim hatte zum alljährlichen Breitensportlehrgang geladen.

Organisator Gerhard Strahl war es wieder geglückt, aus seinem Fundus von teilweise jahrzehntelang gewachsenen Bekanntschaften hochqualifizierte Referenten nach Viernheim einladen zu können. Diese wiederum trugen dann dafür Sorge, dass die komplette Waldsporthalle bis auf den letzten Platz gefüllt war.

Insgesamt wurden 10 Trainingseinheiten zu je anderthalb Stunden angeboten. Die Sport-ler konnten hierbei aus bis zu drei gleichzeitig stattfindenden Einheiten das auswählen, was sie trainieren wollten.

Sandra Szemik übernahm den Part des Formenlaufs. Der Formenlauf, der einen Kampf gegen mehrere Gegner simuliert, ist ein fest vorgeschriebener Ablauf von Techniken. Je höher die angestrebte Graduierung, desto perfekter muß die Ausführung sein. Letztend-lich wird jeder Millimeter Abweichung mit Punkteabzug geahndet. Sandra Szemik stellte sich hier als ideale Referentin dar, ist sie doch mehrfache badische, saarländische und baden-württembergische Meisterin im Formenlauf.

Ebenfalls wichtiger Bestandteil jeder Prüfung ist der sog. Einschrittkampf. Hierbei wird ein standardisierter Angriff mit verschiedenen Verteidigungs- und Angriffstechniken gekontert. Auch hier gilt: Je höher die angestrebte Graduierung, desto anspruchsvoller muß dieser Konter sein. Dürfen anfänglich noch Hand- und Armtechniken zum Einsatz kommen, sollten bei Schwarzgurten eigentlich nur noch gesprungene Fußkicks gezeigt werden. Als Referenten hierfür konnte Gerhard Strahl Thomas Wernet gewinnen. Wernet ist Referent für Lehrwesen der Taekwondo Union Baden-Württemberg und weiß somit ge-nau, wo die Schwachstellen der Sportler sein können.

Thomas Wernet erteilte neben dem Einschrittkampf auch eine Einheit Bruchtesttraining. Hier ging es nicht nur darum, verschiedene Techniken zu zeigen, um einen gelungenen Bruchtest absolvieren zu können, sondern auch um Theorie, um überhaupt zu verstehen, warum ein Brett brechen muß oder nicht, also um den exakten Ansatz der Techniken.

Susanne Köhl, welche bereits seit Anfang der Viernheimer Breitensportlehrgänge als Re-ferentin dabei ist, stand diesmal für etwas ausgefallenere Einheiten zur Verfügung. Die Demo-Team-Trainerin und mehrfache Meisterin Demo-Teams / Show-Teams erteilte zum einen Unterricht in Kampfsport-Akrobatik, zum anderen hatte sie sowohl für Anfänger, als auch für Fortgeschrittene verschiedene Stuntsequenzen choreographiert. Die Stunt-Szene für die Fortgeschrittenen zum Beispiel dauerte über eine Minute und beinhaltete nahezu 100 Angriffs- und Abwehrtechniken, einen Kampf also, der durchaus mit ein-schlägigen Kinofilmen mithalten konnte. Da dieses Pensum in 90 Minuten erlernt werden musste, war die Angelegenheit für die Teilnehmer äußerst schweißtreibend.

Als besonderes Highlight hatte Gerhard Strahl für den Bereich Selbstverteidigung Michael Rüppel verpflichtet. Rüppel war als Personenschützer schon für Alt-Bundeskanzler Ger-hard Schröder und für Kampfsportlegende Jean-Claude van Damme tätig. Er ist Chiefin-structor Krav Maga Street Defense und Headinstructor Dennis Survival Ju Jitsu sowie Member of the Museum of Israeli Martial Arts. Hauptberuflich unterrichtet er Sicherheits-kräfte weltweit (er kam zwischen zwei USA-Seminaren nach Viernheim), insbesondere die Israeli Defense Forces. So ist es nicht verwunderlich, dass sich Rüppel als der Teil-nehmermagnet des Lehrganges herausstellte.

Im ersten Teil seines Trainings zeigte er, wie man sich sehr schnell und effektiv sowie für den Angreifer sehr schmerzhaft mit Alltagsgegenständen verteidigt. Bleistift, Schlüssel-anhänger, Brille und Handy mussten dafür herhalten. Dies ging nicht ohne kleinere Ver-letzungen ab; jedoch waren alle Teilnehmer derart eifrig und wissbegierig bei der Sache, dass viele Blessuren erst nach Lehrgangsende wahrgenommen wurden.

Für ein Zusammenzucken sorgte Rüppel, als er mit einem mitgebrachten Revolver um sich schoß. Er nutzte dies als Eingang für seine zweite Trainingseinheit, die Entwaffnung von Faustfeuerwaffen. Nach einem theoretischen Teil, der den Unterschied zwischen Revolver, Halbautomatik und Automatik sowie die daraus resultierenden Selbstverteidigungsmöglichkeiten aufzeigte, schritt man zur Sache und spielte zahlreiche Situationen durch.

Mit einer leider aktuellen Problematik, nämlich dem grundlosen Zusammentreten von Personen auf Bahnsteigen, beschäftigte sich die dritte Einheit. Rüppel unterrichtete Bodenkampf für die Straße und zeigte auf, wie man weitgehend unbeschadet aus solchen Situationen entkommt bzw. eine Bodenlage im Vorfeld vermeidet.

Nach knapp acht Stunden intensiven Trainings beendete Gerhard Strahl gegen 17 Uhr die Veranstaltung. Nachdem er sich bei den zahlreichen Helfern, besonders beim Fotografen Bing-Hong Hsiao, aber auch bei den Sponsoren (Pfenning Logistics / KMP Holding GmbH, Traumstricker.de, KWON) für die umfassende Unterstützung bedankt hatte, konnte er als Resümee überaus zufriedene Sportkollegen vor sich sehen. Die Fahrt nach Viernheim hatte niemand bereut; es freuen sich schon alle auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr und damit den 4. Viernheimer Breitensportlehrgang. Da es noch Probleme mit einem Termin für die Waldsporthalle gebe, konnte Strahl leider noch keinen definitiven Zeit-punkt mitteilen. Auf jeden Fall werde er aber versuchen, das sehr hohe Niveau der Refe-renten beizubehalten und auch wieder Außergewöhnliches anzubieten.









Kampfsportakrobatik
Formenlauf
Kampfsportakrobatik
Entwaffnung von Faustfeuerwaffen
Bodenkampf für die Straße
Referentenbild: Susanne Köhl, Gerhard Strahl, Michael Rüppel, Thomas Wernet, Sandra Szemik
Gruppenbild




Manfred Büttner aus Gunzenhausen zu Gast

Nur drei Wochen nach dem letzten Großereignis, dem 3. Viernheimer Breitensportlehrgang, hatten die Taekwondoin des SRC Viernheim am vergangenen Samstag erneut hochrangigen Besuch. Auf Einladung des SRC-Trainers Gerhard Strahl war Manfred Büttner aus Gunzenhausen bei den Sportlern zu Gast. Büttner ist einer von wenigen deutschen Taekwondo-Großmeistern. Er ist Mitglied des Lehrwesen-Referententeams der Taekwondo-Union Baden-Württemberg und Inhaber der sehr beachtlichen Anzahl von insgesamt 20 schwarzen Gürteln in vier verschiedenen Kampfsportarten.

Laut Gerhard Strahl war es nach knapp einem halben Jahr seit der letzten Prüfung wie-der an der Zeit, eine Farbgurtprüfung zu veranstalten. Anstatt wie bislang üblich einen externen Prüfer einzubestellen, die Prüfung abzuwickeln und dann wieder nach Hause zu gehen, plante Strahl etwas Besonderes. Er engagierte Büttner, um zuerst für die kom-plette Taekwondo-Abteilung einen zweistündigen Lehrgang abzuhalten und im Anschluß hieran etwa ein Dutzend Prüfungswilliger der Prüfung zu unterziehen.

Im Lehrgang wurde das komplette Spektrum dieses Kampfsportes angeschnitten. Grundschule, Pratzentraining, Wettkampf, Formenlauf und Selbstverteidigung waren nur ein Teil davon. Nachdem hier ordentlich Schweiß geflossen war, konnte und wollte sich ein Teil der Anwesenden der Prüfung stellen.

Büttner war mit den Leistungen insgesamt zufrieden und zeigte sich zum Teil hocher-staunt über die Qualitäten. Am Ende der Prüfung konnte er daher auch allen Angetrete-nen die erhoffte neue Graduierung bescheinigen.

Folgende Sportler haben die Prüfung bestanden: Lisa Marie Gibis, Jasmin Lammer (9. Kup, weiß-gelb), Alexander Herbert, Quentin Buttler, Alexander Hoffmann, Sven Gutzeit (8. Kup, gelb), Yevgen Chalovskyy, Viktor Kühner (7. Kup, gelb-grün), Marc Höffer, Stella Höffer (6. Kup, grün), Melissa Hindelang, Aida Kucevic (5. Kup, grün-blau), Stephan Her-bert (1. Kup, rot-schwarz).







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